Alles, was gegen HIV hilft

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Kondome und Gleitgel – was sollte man wissen?

Kondome schützen bei richtiger Anwendung am effektivsten vor HIV.

Für den Vaginalverkehr reichen in der Regel Kondome mit normaler Wanddicke aus. Bei Bedarf benutzt man zusätzlich Gleitmittel. Das schont die Haut der Vagina wie auch das Kondom vor allzu großer mechanischer Belastung. Beim Analverkehr sind extra starke Kondome und auf jeden Fall Gleitmittel wichtig, weil durch die hohe mechanische Beanspruchung herkömmliche Kondome reißen.

Es sollten nur wasserlösliche Gleitmittel, keine öl- oder fetthaltigen Substanzen (z.B. Speiseöl, Cremes, Vaseline) mit Kondomen verwendet werden. Andernfalls können diese spröde und durchlässig für Viren und Bakterien werden. Ebenso sollten nie zwei Kondome gleichzeitig verwendet werden, da sie durch die Reibung beim Sex reißen.

Beim Kauf von Kondomen sollte man auf das Haltbarkeitsdatum und die CE-Kennzeichnung mit einer Nummer der Prüfstelle achten. Der Handel bietet verschiedene Produkte an, z.B. latexfreie, aus Polyurethan hergestellte und extra große Kondome. Gleitmittel gibt es auf Wasser- / Glycerinbasis und auf Silikonbasis. Eine Produktauswahl findet sich auf den Webseiten der Hersteller; auch Stiftung Warentest prüft regelmäßig die Qualität von Kondomen.

Was tun, wenn’s einen „Unfall“ gab?

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass ein Kondom reißt oder abrutscht. Beim Oralverkehr könnten Sie Sperma aufgenommen haben, weil es schneller ging, als Sie dachten. Das alles kommt vor und ist kein Grund, sich Vorwürfe zu machen. Direkt nach dem Sex können Sie folgendes tun, um das HIV-Risiko zu senken:

  • Nach einer möglichen HIV-Exposition auf sexuellem Wege (z.B. Kondom gerissen, kein Kondom verwendet) sollte, soweit möglich und so schnell wie möglich, potentiell infektiöse Körperflüssigkeit von der Schleimhaut abgespült werden.
  • Nach einer Exposition bei eindringendem Geschlechtsverkehr sollte der Penis unter fließendem Wasser mit Seife gewaschen werden. Dazu die Vorhaut zurückziehen und Eichel sowie Innenseite der Vorhaut reinigen.
  • Eine Scheiden- oder Darmspülung nach einer Exposition bei rezeptivem Geschlechtsverkehr wird wegen des möglichen Verletzungsrisikos dagegen NICHT empfohlen.
  • Nach der Aufnahme von Samenflüssigkeit in den Mund empfiehlt es sich, diese möglichst umgehend und vollständig auszuspeien. Danach sollte die Mundhöhle vier- bis fünfmal kurz (etwa 15 Sek.) mit Wasser oder – falls verfügbar – mit möglichst hochprozentigem Alkohol gespült werden. (Quelle: Robert-Koch-Institut).

Neben diesen Sofortmaßnahmen kommt eine HIV-PEP in Frage, wenn Ihr Partner / Ihre Partnerin HIV-positiv ist. Günstig ist es, wenn Sie beide zum Spezialisten gehen und sich hinsichtlich der HIV-PEP beraten lassen.

Was ist eine HIV-PEP und wann macht sie Sinn?

PEP steht für Post-Exposition-Prophylaxe und bedeutet soviel wie Nach-Risiko-Vorsorge.

Die HIV-Post-Expositions-Prophylaxe (kurz: HIV-PEP) kann für Personen sinnvoll sein, die ein klar benennbares Risiko (z.B. Nadelstichverletzung bei Krankenhauspersonal) hatten. Im privaten Bereich kommt eine HIV-PEP in Frage, wenn Sie HIV-negativ sind und:

  • ungeschützten analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Person hatten (z.B. Kondom geplatzt) und dessen Viruslast über der Nachweisgrenze liegt oder
  • ungeschützten analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr mit einer Person hatten, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit HIV-positiv ist.

HIV-PEP macht keinen Sinn, wenn Sie ungeschützten Sex hatten, aber nicht wissen, ob Ihr Partner HIV-positiv ist. Für die HIV-PEP werden die gleichen Medikamente wie bei HIV-positiven Patienten eingesetzt. Die Therapie läuft über vier Wochen und ist häufig mit starken Nebenwirkungen verbunden.

Vor Beginn der HIV-PEP sollten daher Chancen und Risiken abgewogen werden. Dazu ist die Beratung durch einen Spezialisten notwendig. Die HIV-PEP kann in vielen Fällen, aber nicht in jedem Fall eine Infektion mit HIV verhindern.

Der Beginn einer HIV-PEP ist sehr wichtig. Es sollte so schnell wie möglich mit der Medikamenteneinnahme begonnen werden. Bestenfalls innerhalb von zwei Stunden, ansonsten nach spätestens 24 Stunden. In Einzelfällen kann eine HIV-PEP noch nach 48 Stunden sinnvoll sein. Spätestens nach 72 Stunden macht sie keinen Sinn mehr, da der Virus sich dann im Organismus etabliert hat. Weiterführende Informationen zur HIV-PEP finden Sie auf den Internetseiten des Robert-Koch-Instituts. Eine Beratung und Orientierung in dringenden Fällen erhalten Sie über www.aidshilfe-beratung.de.

Falls Sie in einer Partnerschaft / Ehe leben und eine/r von Ihnen beiden HIV-positiv ist, dann empfehlen wir Ihnen, sich rechtzeitig vom HIV-Behandler informieren zu lassen. Im Ernstfall sind Sie besser vorbereitet, können die Ruhe bewahren und sich zeitnah dorthin begeben, wo die HIV-PEP angeboten wird. Adressen der Angebote finden Sie hier.

Wozu ist ein Dental Dam nützlich?

Ein Dental Dam ist ein Latextuch, das man beim Oralverkehr mit seiner Partnerin einsetzen kann. Es wird über die Vagina gelegt und soll einen Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bieten. Die Anwendung eines Dental Dam verlangt etwas Übung. Obwohl es aromatisierte Latextücher gibt, schreckt viele der gummiartige Geschmack ab – ähnlich wie bei Kondomen.

Dental Dams erhalten Sie in Ihrer lokalen Aids-Hilfe, in der Apotheke oder im Internet. Alternativ verwenden manche auch Frischhaltefolie als Dental Dam. Diese ist nicht so stabil wie ein Latextuch, aber eine Alternative, wenn man mit dem Gummigeschmack Probleme hat.

Was heißt „Safer Sex“?

Mit dem Begriff „Safer Sex“ soll deutlich gemacht werden, dass es Sexualpraktiken gibt, die sicherer sind als andere. Das Ziel besteht nicht darin, völlig risikofreien Sex im Sinne von „Safe Sex“ zu bewerben. Safer Sex trägt ganz klar zur Risikominimierung bei, ohne den Spaß am Sex auf null zu senken. Safer Sex umfasst also Sexualpraktiken, die ohne oder nur mit einem sehr geringen HIV-Risiko verbunden sind. Dazu gehören:

  • Vaginal- und Analverkehr mit Kondom und Gleitmittel
    Oralverkehr ohne Aufnahme von Sperma oder Scheidenflüssigkeit
    gegenseitiges Masturbieren
    Massage, Streicheln, Küssen

Vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützt Safer Sex nur eingeschränkt. Hier erhalten Sie weitere Informationen zu Safer Sex und zu einzelnen Sexualpraktiken und Schutzmöglichkeiten (Klientenleitsystem).

Wissen schützt!

Damit die schönste Sache der Welt auch eine solche bleibt, lohnt es sich, sich vorher kundig zu machen. Wir bieten Ihnen auf unserer Website umfassende Informationen. Daneben erhalten Sie bei uns zahlreiche Broschüren zum Thema. Hier informieren wir Sie zu den Bezugsmöglichkeiten. Bei Fragen beraten wir Sie gern.

Was heißt „Safer Use“?

Wer Drogen intravenös konsumiert, ist neben einem HIV-Risiko auch Hepatitis B und C ausgesetzt. Beim gemeinsamen Gebrauch von Spritzen kann Blut übertragen werden, in dem sich Viren und andere Erreger befinden. Ähnlich wie beim „Safer Sex“ umfasst „Safer Use“ Schutzmaßnahmen, die diese Risiken minimieren oder sogar ausschließen sollen, nämlich:

  • kein Spritzentausch
  • Verwendung von sterilem Spritzbesteck (Kanüle, Spritze, Löffel etc.)

Wann gibt es einen Impfstoff?

Seit den 80er Jahren wird gehofft und geforscht. Aber selbst Optimisten gehen davon aus, dass in naher Zukunft kein Impfstoff zur Verfügung steht, der die Infektion mit HIV verhindern kann. Der Grund liegt in der genetischen Wandelbarkeit des Virus. So versagt zum Beispiel ein Impfstoff, der lediglich die Produktion von Antikörpern gegen die Oberfläche des Virus bewirkt, da sich bei den Mutationen von HIV gerade die Oberfläche immer wieder verändert.

Trotz allem sind zahlreiche Impfstoffe in der Entwicklung. Die Erwartungen wurden aber nach unten korrigiert: Verhindern werden die Impfstoffe eine HIV-Infektion wohl nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sich Menschen trotz Impfung infizieren können, die Erkrankung bei ihnen aber milder verläuft. Man müsste dann erst später behandeln und könnte vielleicht weniger starke Medikamente einsetzen. In den letzten Jahren liefen bereits Studien, u.a. auch in Deutschland (50 Probanden). Aktuelle Informationen finden Sie im Internet, z.B. aktuelle Pressemeldungen bei www.paperball.de (Suchbegriff: „HIV Impfung“).