HIV & Blutspende

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Ein brisantes Thema – warum?

Im Kontext des Blutspendens von HIV und Aids zu sprechen ist „nicht ganz ohne“. Viele erinnern sich daran, dass in den 1980er Jahren Patienten über Bluttransfusionen mit HIV infiziert wurden. Damals wurden Blutspenden noch nicht routinemäßig auf HIV getestet. Andere monieren den pauschalen Ausschluss von Personengruppen aufgrund einer „Risiko“-Eigenschaft (z.B. homo- und bisexuelle Männer).

In unserer Praxis lernen wir Ratsuchende kennen, die die Blutspende als Möglichkeit nutzen, sich auf HIV testen zu lassen. Einige erfahren dabei von ihrer HIV-Infektion. Andere holen ihr Ergebnis nie ab. Auch das macht deutlich, wie brisant das Thema HIV/Aids und Blutspende sein kann.

Warum werden manche Personen ausgeschlossen?

Wer Blut spenden möchte, hat mittlerweile einen langen Fragebogen (PDF: 222 KB) zu beantworten. Bei den Fragen muss jeweils mit JA oder NEIN geantwortet werden. Hat man z.B. vor der Blutspende bestimmte Medikamente eingenommen oder eine Magen-/Darmspiegelung (Endoskopie) über sich ergehen lassen, wird man für eine gewisse Zeit gesperrt. Andere Ausschlusskriterien beziehen sich auf bestehende Erkrankungen, aber auch auf persönliche Verhaltensweisen. Hier kann die Sperrung dauerhaft erfolgen.

Die Blutspendedienste wollen und müssen auf „Nummer Sicher“ gehen. Jede Übertragung einer Infektion (also auch Hepatitis und viele andere) soll verhindert werden. Schließlich sind sie den Klagen von denjenigen ausgesetzt, die sich bei einer Bluttransfusion infiziert haben.

Beispiel: Endoskopie

Manche Ausschlusskriterien sind nur schwer nachzuvollziehen und lassen bei manchem Zweifel an unserem Gesundheitssystem aufkommen. Ein Beispiel dafür ist der Ausschluss von Personen, die in den letzten 12 Monaten eine Endoskopie hatten. Zu diesem Thema finden sich im Internet zahlreiche Informationen.

Natürlich gibt es für die Reinigung von Endoskopen Vorschriften und Standards. In den meisten Fällen werden diese auch eingehalten. In wenigen Fällen erfolgt keine ordnungsgemäße Reinigung der Geräte und es kann so zur Übertragung von Krankheitserregern (z.B. Hepatitis C) kommen. Dieses Restrisiko führt im Bereich der Blutspende aber zum Ausschluss aller Personen, die endoskopiert worden sind.

Dieser Umstand ist kritik- und verbesserungswürdig, sollte aber kein Anlass für ein generelles Misstrauen gegenüber medizinischen Einrichtungen sein.

Beispiel: Homo- und bisexuelle Männer

Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sind generell von der Blutspende ausgeschlossen, insofern sie ihre sexuelle Orientierung im Fragebogen bekannt geben. MSM werden als Risikogruppe eingeschätzt, bei denen „ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht“.

Quelle: Blutspendebogen, Blutspendedienst Hamburg, Version 013, 15.06.2004

Problematisch an dieser Festlegung ist der Ausschluss aufgrund einer Eigenschaft. Das tatsächliche Verhalten spielt gar keine Rolle. Homosexuelle Männer, die keine Risiken bezüglich HIV und anderen STD eingehen, werden ebenso ausgeschlossen wie diejenigen, die regelmäßig riskanten Sex praktizieren.

Andererseits erscheint es kaum vorstellbar, dass der Blutspendedienst eine genaue Befragung zum sexuellen Verhalten unternimmt und der Spender freizügig darauf antwortet. Eine Motivation, dennoch nach einer konstruktiveren Regelung zu suchen, sollte der Fakt sein, dass jedes Jahr viel zu wenig Blut gespendet wird (siehe www.sz-online.de, 30.07.2004 / 20.07.2005 / 01.07.2006).

Nachtrag: Uns wurde mitgeteilt, dass man in Frankreich vor jeder Blutspende durch einen Arzt befragt wird. Enthalten sind auch Fragen zum sexuellen Verhalten sowie zur Anzahl der Partner. Der Arzt füllt dann den Fragebogen aus. Bei entsprechender Schulung und kommunikativer Kompetenz der Ärzte könnte es in Deutschland einen Versuch wert sein, dieses Modell auszuprobieren.

Wird meine Blutspende auf HIV getestet?

Bei jeder Blutspende werden verschiedene Tests durchgeführt, u.a. ein Test auf HIV-Antikörper. Das Problem ist, dass die Antikörper erst einige Zeit nach der Infektion nachweisbar sind. In der Zwischenzeit sind die betreffenden Personen aber bereits infektiös. Ihre Blutspende könnte also andere Menschen infizieren.

Wenn Sie annehmen, dass Sie ein Risiko bezüglich HIV oder Hepatitis hatten und Blut spenden möchten, dann unterstützen wir Sie gerne bei der Entscheidungsfindung. Wir raten von der Nutzung der Blutspende als HIV-Test ab und verweisen an die Gesundheitsämter, die Sie in Sachsen nach wie vor kostenlos und anonym beraten und testen.

Kann ich die Blutspende als regelmäßigen HIV-Test nutzen?

Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass viele Menschen die Blutspende – neben der Hilfeleistung für andere – auch für sich selbst als HIV-Test nutzen. Der Nachteil besteht darin, dass der „Test“ nicht anonym ist. Sie erhalten auch keine Beratung, um Ihr Infektionsrisiko abzuklären. Im ungünstigsten Fall werden Sie zur Ergebnismitteilung einbestellt, ohne sich vorher mit dieser Situation auseinander gesetzt zu haben.

Aber auch wenn mit Ihrer Blutspende alles in Ordnung ist, warten Sie, ohne jemals ein Ergebnis oder eine Rückmeldung zu erhalten. Wir empfehlen Ihnen daher, den Test anonym (und kostenlos) im Gesundheitsamt zu absolvieren. Hier kann Ihr Risiko eingeschätzt und Hilfe angeboten werden, wenn Sie von einem hohen Risiko ausgehen müssen. In jedem Fall erhalten Sie ein Ergebnis, also auch, wenn alles in Ordnung ist. Ihr Warten ist nicht umsonst.

Bei der Entscheidungsfindung unterstützen Sie gerne auch die Berater in den Aids-Hilfen.

Wie wird das Ergebnis „HIV-positiv“ mitgeteilt?

Wenn beim Test der Blutspende HIV-Antikörper festgestellt werden, bestellt Sie der Blutspendedienst ein, bei dem Sie zuvor gewesen sind. In der Mitteilung stehen keine genauen Angaben. Wenn Sie also Post von Ihrem Blutspendedienst erhalten, heißt das nicht automatisch, dass Sie HIV-positiv sind.

Um das erste Testergebnis zu überprüfen, wird erneut Blut abgenommen und einem kompletten Test unterzogen. Wenn auch hier das Ergebnis „HIV-positiv“ ist, dann wird man Ihnen diese Diagnose mitteilen.

Post vom Blutspendedienst – Bin ich jetzt HIV-positiv?

Bei jeder Blutspende wird eine Vielzahl von Dingen untersucht, z.B. auch die Zusammensetzung des Bluts. Schon wenn hier Unregelmäßigkeiten auftreten, können Sie zu einem Gespräch eingeladen werden. Es muss sich also nicht einmal um eine Erkrankung handeln, wenn Sie bestellt werden.

Da im Anschreiben keine Angaben gemacht werden, kann das verunsichern und Angst auslösen. Wenn Sie zudem die Vermutung haben, es könnte eine HIV-Diagnose vorliegen, kann es sinnvoll sein, sich unabhängig vom Blutspendedienst beraten zu lassen. Sowohl die Aids-Hilfen als auch die Gesundheitsämter sind gerne Ihr Ansprechpartner.

Wo erhalte ich Unterstützung nach einem HIV-positiven Testergebnis?

Sollten Sie im Rahmen der Blutspende als HIV-positiv getestet worden sein, unterstützen wir Sie gerne in allen weiteren Fragen. Sie können unsere kostenlosen und anonymen Angebote nutzen bzw. wenden sich an Ihre lokale Aids-Hilfe.

Die Gesundheitsämter beraten Sie ebenfalls und ermöglichen Ihnen ggf. die Überprüfung der Diagnose.