Schwangerschaft und Kinderwunsch

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Kann ich trotz HIV ein Kind bekommen?

Es ist völlig normal, wenn eine Frau und auch ein Mann einen Kinderwunsch hegen. Viele HIV-positive Menschen glauben, dass sie keine Kinder bekommen können oder sollen. Allerdings weiß man heute, dass bei bekannter HIV-Infektion der Mutter das Risiko einer Virusübertragung auf das Kind auf unter 2% gesenkt werden kann.

Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, liegt bei jedem selbst. Man sollte in Ruhe darüber nachdenken sowie nahestehende Personen und professionelle Helfer um Rat fragen. Ein Restrisiko der Übertragung bleibt bestehen und ein Rückhalt bei Partner und Familie ist sehr wichtig.

Sicher ist auch ein Gespräch mit anderen HIV-positiven Müttern hilfreich. Ihre lokale Aids-Hilfe kann Sie bei der Kontaktaufnahme unterstützen.

Was ist vor der Schwangerschaft zu beachten?

Zuerst sollten Sie einen HIV-spezialisierten Gynäkologen aufsuchen. Die Beratungsstellen der Aids-Hilfen und von Pro Familia können bei der Suche nach einem geeigneten Arzt helfen.

Neben den regelmäßigen HIV-spezifischen Untersuchungen sollten Sie sich vor einer Schwangerschaft auf Röteln und Hepatitis B und C untersuchen lassen. Hinzu kommen Untersuchungen auf genitale Infektionen, der HPV- Status sowie eine Krebsvorsorge. Unter engmaschiger Beobachtung kann in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten über eine Therapiepause entschieden werden.

Wie werde ich schwanger?

Wenn beide Partner HIV-positiv sind und eine uneingeschränkte Fruchtbarkeit gegeben ist, wird meist der ungeschützte Geschlechtsverkehr – von vielen Ärzt/innen nur zum Ovulationszeitpunkt – empfohlen.

Ist die Partnerin HIV-positiv, kommen zur Befruchtung die künstliche Befruchtung oder die Selbstinsemination in Frage.

Haftungsrechtliche Bedenken über Methoden der assistierten Reproduktion konnten inzwischen zum großen Teil überwunden werden, doch sind bisher nur sehr wenige Ärzte zu einer reproduktionsmedizinischen Unterstützung von Frauen mit HIV/AIDS bereit.

Bei einer HIV-Infektion des Mannes wird häufig eine assistierte Reproduktion mit aufbereitetem (gereinigtem) Sperma durchgeführt. Dadurch wird nach bisherigen Erkenntnissen das Übertragungsrisiko auf die Frau auf ein nur noch theoretisches Risiko reduziert.

Zunehmend wird diskutiert, ob diese Methode noch notwendig ist, denn häufig finden sich bei erfolgreicher Therapie gegen HIV keine HI-Viren mehr im Sperma des Mannes. Ergänzend kann eine PREP bei der Frau das Risiko minimieren. Erste Forschungsergebnisse stimmen optimistisch, die nächste Zeit wird mehr Klarheit bringen. Weitere Informationen bietet Ihnen ein Bericht aus der Schweiz.

Was passiert bei eingeschränkter Fruchtbarkeit?

Um die Fruchtbarkeit oder auch Fertilität der Frau bzw. des Mannes festzustellen, dienen ein Spermiogramm beim Mann und eine Bauchspiegelung bei der Frau. Sollte eine eingeschränkte Fruchtbarkeit festgestellt werden, müssen weitere Dinge beachtet werden.

Voraussetzung für eine Behandlung ist die Eheschließung. Aufwand und psychische sowie finanzielle Belastung für das Paar unterscheiden sich je nach Verfahren deutlich. Eine einzelne Behandlung kann zwischen 400 und 5000 Euro kosten. Aufgrund einer Richtlinie des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen sind die Kassen nicht zur Übernahme der Kosten für eine reproduktionsmedizinische Behandlung verpflichtet, wenn einer der beiden Partner HIV-positiv ist. Dennoch werden immer wieder Kosten übernommen.

Bei ausbleibendem Erfolg und eventuell daraus resultierender Frustration sollte nicht zu ungeschütztem Sex übergegangen werden, wenn beide Partner einen unterschiedlichen HIV-Status haben.

Gibt es gesundheitliche Risiken für die werdende Mutter?

Eine Schwangerschaft stellt kein besonderes Risiko in Bezug auf eine bei der Mutter vorliegenden HIV-Infektion dar. Während der Schwangerschaft sinkt die Zahl der CD4–Zellen zwar leicht ab und das Immunsystem ist etwas geschwächt, doch dies normalisiert sich meist automatisch nach der Entbindung. Allerdings können psychische Belastungen verstärkt auftreten.

Welches Übertragungsrisiko hat das Ungeborene?

Das Übertragungsrisiko kann bei bekannter HIV-Infektion auf unter 2% gesenkt werden. Unter anderem spielen hier die geplante Entbindung durch Kaiserschnitt und das Verzichten auf Stillen eine große Rolle.

Das Übertragungsrisiko auf das Kind kann sich aus verschiedenen Gründen erhöhen:

  • fortgeschrittenes Krankheitsstadium der Mutter
  • niedrige Anzahl von CD4-Zellen
  • erhöhte Viruslast kann eine Frühgeburt auslösen
  • zusätzliche Infektionen (z.B. Hepatitis C)
  • vorzeitiger Blasensprung oder vorzeitige Wehen

Was passiert während der Schwangerschaft?

Während der Schwangerschaft werden folgende Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt:

  • alle 2 Wochen Vorsorgeuntersuchung
  • alle 4 – 8 Wochen Blutuntersuchung (Bestimmung der Blutwerte)
  • Zuckertest, Herzton und Wehenschreibung (HIV-Patientinnen neigen zu verfrühten Wehen)
  • in der 12., 22., 30. und 35. Woche Ultraschalluntersuchung (u.a. Test auf Trisomie 21)
  • Fruchtwasseruntersuchung entfällt (zu hohes Übertragungsrisiko für das Kind)
  • antiretrovirale Behandlung ab der 32. – 36. Schwangerschaftswoche und während der Geburt wird empfohlen

Wie kann entbunden werden?

Obwohl in anderen Ländern wie Frankreich und den USA Spontangeburten durchgeführt werden, bewertet man in Deutschland das Übertragungsrisiko anders und führt in der Regel keine Spontanentbindung durch. Vielmehr wird ein geplanter Kaiserschnitt in der 37. bis 43. Schwangerschaftswoche eingeleitet.

Wenn Sie den Wunsch haben natürlich zu entbinden, dann sprechen Sie dennoch mit Ihrem Arzt über Chancen und Risiken. Unter Umständen kann er Ihrem Wunsch nachkommen. Zunehmend mehr Frauen bekommen ihr Kind auf natürlichem Weg.

Was kommt nach der Entbindung auf Mutter und Kind zu?

Nach der Entbindung bekommt das Neugeborene 4 Wochen lang eine meist intravenös verabreichte antiretrovirale Therapie (Kombitherapie).

Auf das Stillen muss in Deutschland leider verzichtet werden, um das Kind nicht nachträglich mit HIV zu infizieren. Um abzuklären, ob das Kind infiziert wurde, kann bereits nach einem, spätestens nach 6 Monaten ein HIV-PCR-Test durchgeführt werden. Da ein Kind bis zu seinem 18 Lebensmonat Antikörper der Mutter in sich trägt, gibt erst nach dieser Zeit ein HIV-Antikörper-Test abschließende Gewissheit.

Schon gewusst?

Seit 2010 besteht auch für HIV-positive Menschen das Recht, eine künstliche Befruchtung als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch zu nehmen.  Es müssen dafür natürlich die gesetzlich geregelten Voraussetzungen erfüllt sein.