Aus einem sexualpädagogischen Jugendworkshop

Wir setzen unsere Serie, Arbeitsschwerpunkte der Aids-Hilfe Dresden mit den 26 Buchstaben des Alphabeths erklären, fort. Hier & heute Buchstabe J wie Jugendworkshop.

Gebannt und neugierig schauen zwanzig Augenpaare auf die zwei Mitarbeiter*innen der Aids-Hilfe Dresden. Heute ist kein normaler Schultag angesagt. Heute findet ein Workshop der besonderen Art statt. Es geht um Sexualität, Liebe, Freundschaft und Partnerschaft – Themen, die die Schülerinnen und Schüler einer neunte Klasse einer Dresdner Oberschule brennend interessieren.

Im Klassenraum sind die Bänke zur Seite geschoben, ein Stuhlkreis wurde gebildet – das Motto: kein Frontalunterricht. In der Vorstellungsrunde tasten sich die Jugendlichen spielerisch ans Thema heran – gegenseitig werden Fragen gestellt und Antworten gegeben: „Was ist Sexualität für dich?“ „Was würdest du machen, wenn du morgen erfährst, dass du Vater/Mutter wirst?“, „Wie reagierst du, wenn dein bester Freund schwul ist?“. Eines wird hier schon deutlich: es ist manchmal gar nicht so einfach über Sexualität zu sprechen. Daher gilt – wie im ganzen Workshop auch – das Prinzip der Freiwilligkeit. Niemand wird dazu „verdonnert“ mitzumachen und mitzureden.

Es wird viel gelacht an diesem Tag – vor allem beim Sammeln von Wörtern, die die Jugendlichen für bestimmte Körperregionen kennen. Penis, Schwanz oder doch lieber Pimmel – Begriffe, die nicht gefallen, werden gestrichen – Begriffe, die von allen akzeptiert werden, bleiben stehen. Eine gemeinsame Sprache ist gefunden.

Frauen wollen immer shoppen – Männer denken nur an Sex – oder doch nicht? In der nächsten Stunde wird mit Stereotypen, Vorurteilen und Klischees von Männlichkeit und Weiblichkeit aufgeräumt. Die Jugendlichen überprüfen ihr Verständnis und überdenken ihre eigenen Positionen zum Thema Geschlechtlichkeit.

Neue Erkenntnisse hält auch die nächste Einheit parat. Die Jugendlichen haben im Vorfeld des Workshops anonym Fragen an die beiden Sexualpädagogen aufgeschrieben. „Warum bekommen Männer einen steifen Penis?“, „Woran merke ich, dass ich verliebt bin?“, „Worauf stehen Frauen?“, „Ich habe meine Periode noch nicht. Ist das normal?“, „Sex? Wie geht das genau?“ – sind nur eine kleine Auswahl der vielen Fragen. Die Antworten gibt es von den/r Sexualpädagogen*in und der Gruppe.

Nach der Pause kommt ein schwerer, silberner Koffer zum Vorschein. Darin verstecken sich allerhand Verhütungsmittel. Funktionsweise, Anwendung, Vor- und Nachteile von Pille, Kondom, Spirale und Co. werden an Modellen erläutert. In diesem Zusammenhang werden Fragen zum Menstruationszyklus und zu Schwangerschaft geklärt. Und das Thema HIV kommt an diesem Tag natürlich auch zu Sprache: Übertragungswege, Schutzmöglichkeiten und Leben mit einer HIV-Infektion werden in der Gruppe diskutiert.

Am Ende des Workshops sind sich alle einig: so locker und offen kann man selten über Sexualität sprechen und der Wunsch nach einer Fortsetzung des Angebots wird laut.

Weitere Informationen gibt es hier und/oder unter der Telefonnummer: 0351 44 16 14 2; Ihre Ansprechpartner sind Claudia Druve und Uwe Tüffers.

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