AIDS – nach einer wahren Begebenheit

Bilder +++ Medien +++ Kunst | Sonderausstellung Deutsches Hygiene-Museum | 4. September 2015 bis 21. Februar 2016.

AIDS ist bis heute eine unheilbare Infektionserkrankung mit oftmals tödlichem Ausgang. Obwohl das 1981 erstmals beschriebene Immundefektsyndrom nicht mehr permanent in den Medien präsent ist, bleibt die Krankheit ein aktuelles Thema. Denn auch wenn die Diagnose HIV durch die medizinischen Erfolge der Antiretroviral-Therapie seit 1996 kein sofortiges Todesurteil mehr bedeutet, ist eine Heilung der Krankheit bislang nicht in Sicht. Und trotz breiter Aufklärungskampagnen in vielen Ländern der Welt ist die HIV-Infektionsrate mit geschätzte 2,1 Millionen Betroffenen noch immer hoch – und das nicht nur in Ländern des afrikanischen Kontinents, sondern auch im Westen. Nach Schätzungen der WHO leben heute weltweit 34 Millionen Menschen mit HIV/AIDS – in Deutschland sind es 78 000. Im Jahr 2013 starben 1,5 Millionen Menschen an AIDS, und seit Beginn der Epidemie 1981 sind 36 Millionen Tote zu beklagen.

Vor diesem Hintergrund möchte das Deutsche Hygiene-Museum mit der Sonderausstellung AIDS – Nach einer wahren Begebenheit dafür sensibilisieren, dass sich die Notwendigkeit einer individuellen und gesellschaftlichen Beschäftigung mit AIDS keineswegs erledigt hat. Der noch nie in seiner Komplexität gezeigte, weltweit einmalige Bestand von rund 10.000 internationalen AIDS-Plakaten aus 147 Ländern in der Sammlung des Deutschen Hygiene-Museums bietet dazu den materiellen Ausgangspunkt. Zu sehen sind ca. 240 Plakate, die in einen Dialog mit anderen Zeitdokumenten treten, darunter Werbung, Filme, TV-Talkshows und Medien der Popkultur. Die Ausstellung gliedert sich in sechs Abteilungen, in denen grundlegende Themen behandelt werden: Unkenntnis, Angst und Scham; Sexualität und Moral; Schuldzuweisung und Diskriminierung; medizinische und mediale Wirklichkeit; der Körper; die globale Verbreitung der Bilder.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Beobachtung, dass AIDS seit seinem Auftreten immer noch etwas anderes war, als eine oft tödlich verlaufende Krankheit. AIDS war und ist auch Gegenstand eines öffentlichen Diskurses, in dem es nicht allein um die wissenschaftlichen Kenntnissen über den Erreger und seine Übertragungswege oder um die neuesten Diagnose- und Therapieverfahren geht. Das Sprechen über AIDS berührt nämlich immer auch Einstellungen gegenüber bestimmten Lebensentwürfen, eine Auseinandersetzung mit Fragen von Sexualität und Tod, von Schuld und Scham, von Eigenverantwortung und Fürsorge. Parallel zur Verbreitung des HI-Virus selbst hat sich in der Kommunikation über AIDS sozusagen eine weitere „Epidemie” ausgebreitet, in der sich unterschiedliche Positionen und Symbole zu diesen kontroversen Themen etabliert und immer wieder verwandelt haben. Dieses Spannungsfeld zu analysieren und in seiner Vielschichtigkeit bis in die Gegenwart hinein nachzuzeichnen, hat sich diese bildkritische Ausstellung zur Aufgabe gemacht.

Auch wenn es sich bei dieser Sonderausstellung nicht um eine Art musealer Präventionskampagne handelt, wird sie ihre Besucherinnen und Besucher doch auch mit den Möglichkeiten vertraut machen, mit denen man sich vor AIDS schützen kann, und sie möchte darüber hinaus Bewusstsein für die schwierige Lebenssituation der Erkrankten schaffen. Die Ausstellung AIDS – Nach einer wahren Begebenheit steht damit in einer Kontinuität von Projekten, in denen sich das Deutsche Hygiene-Museum seit Jahrzehnten aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema AIDS auseinandergesetzt hat. PM dhmd.de; Foto: Bildschirmfoto: dhmd.de